stiftung datenschutz: gerne schlank
der it-verband bitkom möchte die stiftung datenschutz schlank halten. das scheint auf den ersten blick – wir denken an die proteste gegen ACTA – aus reinem eigeninteresse zu geschehen: weniger mitarbeiter, weniger kontrolle. tatsächlich aber tut ein aufgeblähter apparat einer neuen stiftung, die vom staat errichtet wurde, nicht gut. hier gilt es, sich erst über die rahmenbedingungen zu verständigen, über kooperationspartner und arbeitsschwerpunkte. bitkom kann hier ein guter partner sein, wenn es darum geht, sich über sinnvolle und über das ziel hinausschießende regelungen des datenschutzes im internet zu verständigen.
es geht auch ohne bundespräsident
wenn sich die stiftungen deutschlands zu ihrem alljährlichen stiftungstag dieses jahr im juni in erfurt treffen, haben sie ein problem: der bundespräsident wird wohl kommen, ahnte man schon im letzten jahr. die persönlichen verbindungen von stiftungsvertretern zu wulff sind zu eng, als dass er nicht gefragt worden wäre. und die anderen bundespräsidenten waren auch jeweils einmal zum stiftungstag gekommen. und jetzt das problem: wenn der bundespräsident da ist, überreicht er auch die goldmedaille um besondere verdienste um das stiftungswesen – die statuten der goldmedaille sehen jedenfalls vor, dass sie durch den bundespräsidenten überreicht wird. und wie sieht das nun aus? ein bundespräsident, der als ministerpräsident alle vorteile mitgenommen hat, deren er herr werden konnte (zumindest drängt sich dieser eindruck auf) überreicht die goldmedaille einem menschen, der gerade dafür geehrt wird, dass er sich eines teils seines vermögens uneigennützig entäußert hat. dass er stifter oder stifterin geworden ist und nicht kleinlich gerechnet hat, dass er doch eigentlich schon steuern gezahlt habe. fazit (hatte ich ja schon früher geschrieben): die stiftungen können auch ohne politik – und in diesem fall erhöhe ich sogar: die stiftungen können auch ohne bundespräsident.
privatkonzert in der villa hügel
für jemanden, der sich seit 13 jahren mit stiftungen beschäftigt, wurde es höchste zeit: heute zum ersten mal in der villa hügel gewesen – und quasi gleich ein privatkonzert bekommen (hummels adagio mit variationen für oboe und orchester). nach joachim käppners biographie über berthold beitz schien das der angemessene abschluss der tour zu essener stiftungen. unvergessen wird allerdings vor allem die diskussionsteilnahme von prof. tu weiming (peking) im rahmen des neujahrsempfangs der stiftung mercator gestern bleiben.

Vielleicht meldet sich jetzt endlich mal stärkerer Protest. Die ungarische rechtsnationale Regierung, immerhin derzeit Ratsvorsitzende der EU, löst 35 Stiftungen auf, die sich für die Rechte der Roma im Lande einsetzen. Immer mehr Unabhängigkeit geht verloren. Ein Land wird gleichgeschaltet.
jetzt will der ehemalige regierende bürgermeister diepgen eine berliner zoo-stiftung ins leben rufen, u. a. um den tierpark in friedrichsfelde zu retten. der ist jahrelang von der politik vernachlässigt worden (unter diepgen genauso wie unter wowereit). das ist ja hübsch, dass diepgen jetzt sein gewissen ein bisschen entlastet. allerdings zweifle ich daran, dass er das mit ernstzunehmenden eigenen zustiftungen ins stiftungskapital tut. oder wer belehrt mich eines besseren?
die mäzene gehen
über birte toepfer musste ich neulich schon schreiben, jetzt häufen sich die todesfälle (wenngleich nicht die freitode). binnen 16 tagen sind drei große stifter und mäzene gegangen, noch dazu drei ganz wunderbare persönlichkeiten. nach birte toepfer am 12. november verstarb am 15. november hermann freudenberg aus weinheim und am 28. november irene ludwig (museum ludwig, köln). ich finde, das ist traurig genug und mehr als genug für dieses jahr.
Stiftungen & Integration
Nein, die böse Debatte um die beiden Herren S. reißt nicht ab und zieht immer mehr Beteiligte in den Schmutz. Jetzt geißelt der Blogger Tangsir 2569 schon die Friedrich-Ebert-Stiftung, sie würde gegen Islamkritiker hetzen – und versieht dies mit dem Hinweis darauf, die Stiftung sei vom Steuerzahler finanziert und dürfe dies ohnehin nicht. Und da sind wir mitten im Dilemma: Stiftungen haben eine ganz klare Position in diesem Streit (die man leider recht selten hört): Kärrnerarbeit vor Ort, gut geplante Projekte, die von einer Stadt, wenn sie gelingen, in die Fläche getragen werden, sind erfolgreicher und effektiver als ein Buch, das nur geschrieben ist, um endlich mal wieder in die Talkshows eingeladen zu werden, sind zielführender als ein Ausspruch, um endlich mal wieder in Umfragewerten besser dazustehen mit der eigenen Partei.
Stiftungen befassen sich seit mehr als zehn Jahren mit Integration und Migration. Davon zeugt ja nicht nur der Sachverständigenrat, den die Stiftungen vor zwei Jahren ins Leben gerufen haben. Davon zeugen Projekte wie „START“, „Chancen“ und viele weitere. Und wollen sich Sozialstiftungen weiterhin vorhalten lassen, sie förderten genetisch bedingt chancenlose Bevölkerungsgruppen. Wo haut denn mal einer mit der Faust auf den Tisch?
Ich würde mir jedenfalls wünschen, dass der Brunnenvergifter S. jetzt endlich in der medialen Versenkung verschwindet und man die gelungene Integrationsarbeit fortsetzt – und sich natürlich überlegt, wie man Parallelgesellschaften und auch Deutschenfeindlichkeit begegnet, aber bitte auf einem angemessenen kulturellen und diskursiven Niveau.
Gerade hat die Hessische Landesregierung verkündet, dass sie im Rahmen ihrer Ehrenamtskampagne die Stiftung “Sag ja zum Kind” zur Stiftung des Jahres 2010 gekürt habe. Angesichts von 80.000 Stiftungen jeder Rechtsform bundesweit und geschätzten 6.000 Stiftungen in Hessen ist das eigentlich eine Abwertung vieler hundert guter Stiftungen. Ehrenamt lässt sich auch anders würdigen, keine Ahnung, was immer diese Superlative “höher, schneller, weiter” sollen – oder eben “beste Stiftung”.
Stiftungen auf der Buchmesse
Angesichts er Tatsache, dass jedes Jahr mehrere zehntausend Bücher nur durch Unterstützung von Stiftungen möglich werden, ist es schon erstaunlich, dass die Stiftungen keinen gemeinsamen Auftritt auf der Frankfurter Buchmesse hatten. Zwar ist das Verlegen von Publikationen nicht originärer Stiftungszweck, aber die Bücher unterstützen die Arbeit für den Stiftungszweck oder sind Mittel der Öffentlichkeitsarbeit. 2010 gibt es nun endlich den gemeinsamen Auftritt von einem Dutzend Stiftungen …

Genau so war es nicht gedacht
Tolle Version von “The Giving Pledge” in Europa: Jetzt überträgt Ferdinand Piech seine Beteiligungen zwei neu gegründeten Stiftungen – in Österreich. Da hat alles Werben für stifterische Aktivitäten deutscher Milliardäre nichts geholfen. Die österreichischen Privatstiftungen sind da noch einen Zacken schärfer als die in Liechtenstein – die Liechtensteiner haben schließlich neben ihren steuerschlupfwinkeligen Möglichkeiten auch eine Kultur des gemeinnützigen Stiftens mit dem neuen Stiftungsgesetz im vergangenen Jahr geschaffen. Das fehlt in Österreich. Stiftung ist halt nicht immer gleich gut.
