Skip to content

Kurzkritik Righetto: Das Fell des Bären

von broemmling am 29. Dezember 2017

Ausgelesen! Die Aufarbeitung von Vater-Sohn-Geschichten (zumeist durch den Sohn) sind für den Blessing Verlag keine Seltenheit. Dies gilt für Sachbuchliteratur wie für Fiktion. Besonders hervorzuheben ist Andreas Wenderoths Ein halber Held, in dem sich der Autor mit der Demenz seines Vaters auseinandersetzt. Eine wunderbare Vater-Sohn-Geschichte hat Matteo Righetto erzählt. Denn die Jagd auf das Fell des Bären, die Jagd auf den großen fürchterlichen Bären, der einen ganzen Landstrich in Angst und Schrecken versetzt, ist Handlung, die zur Nebensache wird. Einfühlsam beschreibt der Autor die Entfremdung zwischen dem Sohn, dem die Mutter starb, und seinem wortkargen Vater und die Schritte der beiden aufeinander zu. Der Bär wird erlegt, so viel sei verraten, und doch ist nicht alles gut. Der kleine Roman liest sich gut in einem Atemzug durch. Matteo Righetto schreibt flüssig genug, und doch stößt man immer wieder auf unpassende Vergleiche – wo es eines Vergleichs gar nicht bedarf. Ein „als würde“ folgt da einem „als wolle“ gleich zwei Sätze später. Die Formulierungen lassen dann doch eine große Stadtnähe des Autors durchscheinen. Vater und Sohn bewunderten die flammenden Oktoberfarben, die überall hervorleuchteten, unter ihren Füßen, um sie herum und über ihnen? Das ginge sicher mir als Stadtmensch so (ein Familienmitglied würde jetzt noch darauf hinweisen, wie gut buntes Laub für die Augen sei). Aber Vater und Sohn, die gerade auf der Jagd nach dem Bären sind? Wohl kaum. Unerreicht ist als Schilderer von Natureindrücken der Bewohner vom Lande Pinio Martini: Wir waren zu sehr daran gewähnt, uns mit Händen und Füßen an Felsen und Ginstersträuchern festzuklammern, als dass wir uns Flüge der Phantasie erlaubten; und wenn wir zum Gipfel des Basodino hinaufschauten, dann gewiss nicht, um zu sagen „Wie schön!“, sondern um zu erfahren wie das Wetter am nächsten Tag sein würde. Aber nicht jeder kann Martini sein, und dem Lesegenuss tun diese kleinen Ausreißer keinen Abbruch.

Matteo Righetto: Das Fell des Bären. Roman. Aus dem Italienischen von Bruno Genzler. Karl Blessing Verlag, München 2017. 160 Seiten, 19,99 Euro. 978-3-89667-599-6.

Andreas Wenderoth: Ein halber Held. Mein Vater und das Vergessen. Karl Blessing Verlag, München 2016. 301 Seiten, 19,99 Euro. 978-3-89667-558-3.

Von → Allgemein

Es sind noch keine Kommentare vorhanden

Kommentieren

XHTML ist erlaubt. Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

Abonniere diesen Beitrag via RSS